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„Mier bejröße üch op ose
Jehööchsick“ |
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VON BERND ZIMMERMANN
LOMMERSUM / LOMMEZEM. Schon 10 000 Mal haben Besucher in nur einem
Jahr die Homepage der Feuerwehr in Lommersum angeklickt. Der Aufbau
der Seite ist den Freiwilligen so gut gelungen, dass sie beim
Feuerwehr-Homepage-Wettbewerb des weltweit agierenden Feuerschutz-
und Atemschutztechnik-Konzerns „Dräger“ sogar einen Preis erhielten.
Jetzt hat die 30 Mann starke Löschgruppe um Gemeindebrandinspektor Joachim Hecker noch einen drauf gesetzt und damit bewiesen, dass sich die Freiwilligen Feuerwehren landauf, landab auch als Bewahrer heimischen Brauchtums verstehen. Denn jetzt gibt es die Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Lommersum auch in der „Voreifel-Platt“-Version“. Dabei hat Internetexperte Andre Janßen den hochdeutschen
Internetauftritt einfach umgetauft in plattes „Wir wollen noch mehr Menschen für die Arbeit der Feuerwehr und das Ehrenamt begeistern. Was liegt da näher, als einen Web-Auftritt in der Sprache zu präsentieren, die in unserer hiesigen Region bestens bekannt ist?“, fragen die Macher der Homepage. Dass bei der Umsetzung nicht nur viel Spaß und auch der eine oder andere Scherz in die Umsetzung einflossen, ist klar. Dabei geriet die Homepage www.lg-lommezem.de nicht zum Klamauk, sondern hat die Ernsthaftigkeit der erfrischend informativen offiziellen Homepage der Löschgruppe übernommen. „Mier bejröße üch op ose Jehööchsick“, heißt es da auf bestem Platt. Natürlich stellt sich hier die Löschgruppe Lommersum vor, da sind die Mannen der „Löschjrupp Lommezem“ zu sehen. Hier gibt es „Ratschläge“, da „Rotschlääch vüe de Brantschutz“. Ein buntes Feuerwehrmännchen hüpft hier wie da über den Bildschirm und informiert über Aktive und Jugendwehr, gibt Brandschutztipps und zeigt, wie man im Sommer einen Grill richtig anzündet, oder auf Platt „Rootschläsch füe söche tse jrille“. Die „Rotschläch füe ene Brant ze vehindere ....füe Üe Söcheheet“ sind jedenfalls kein Klamauk und enthalten viele wichtige Informationen. So stellt sich etwa der Verfasser die Frage „Wat soll en menge Jarasch dann at brenne?“ Natürlich kann man das auch auf Hochdeutsch lernen, aber da fehlt dann doch oft der Spaß. Wer als Zugereister oder „Imi“ in der Region wohnt, ertappt sich dabei, wie er die mundartlichen Begriffe laut liest, um ihren Sinn zu erfassen. Dabei ist der Internetredakteur der Löschgruppe Lommersum (LöschjruppLommezem) selbst ein „Imi“, denn er ist von Neunkirchen-Vluyn nach „Klein-Spanien“ gekommen. Und deshalb musste Andre Janßen sich viele Begriffe übersetzen lassen. Dabei half ihm Oberfeuerwehrmann Paul-Heinz Wiskirchen, der in akribischer Kleinarbeit die Internetseite übersetzte. Ein besonderes Augenmerk richtet die Homepage auf Einsätze,
Übungen und gesellschaftliche Aktivitäten sowie die
Nachwuchswerbung. „Juurendvoijewea Wieleschwöß - mier fördern on
fordern die Juurend“ steht da über einer Seite. Darin findet man
Berichte über die großen Übungen der Jugendwehr („Am drütseente
Oktobe zweidausendsebbe konnte die Juurendvoijewea Wieleschwöß on
die Juurendjrupp von däm Maltesehilfsdeens Ööskereche ie praktisch
Köne onge Bewiis stelle.), von Aktionen wie dem „Bou von Vuelshüüsje“
(Bau von Vogelhäuschen) auf dem Spielplatz und Ähnlichem. Die
Ausbilder werden vorgestellt und die Jugendwehr selbst. Seit sechs
Tagen ist die neue Homepage der „Löschjrupp Lommezem“ im Netz. Wer
mit den Kameraden Kontakt aufnehmen will, findet die Adressen unter
der Überschrift „Aanschreff, över die üe üch möt oss veständije
könnt“ auf der Homepage. |
| Pressebericht des Kölner Stadtanzeiger vom 22.02.2008 |
„Blauleet und Löschhöansche“ auf Homepage
Weilerswist-Lommersum - Andre Janßen spricht von
einer „Schnapsidee“. Mit ihrer Homepage hatte die
Löschgruppe Lommersum vor einiger Zeit bei einem
internationalen Wettbewerb der Firma Dräger mitgemacht,
einem Unternehmen, das Feuerwehrbedarf aller Art verkauft.
Immerhin erhielten die Lommersumer Floriansjünger für ihren
Auftritt im „World Wide Web“ vier von fünf möglichen
„Feuerwehrhelmen“ - mit diesem Symbol wurden die Punkte in
dem Wettstreit dargestellt.
Für „Webmaster“ Andre Janßen war dies Auszeichnung und Ansporn zugleich: Es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn man das fünfte Helmchen nicht auch noch ergattern können. Erreichen will man dieses Ziel mit einer zweiten Homepage, die vor knapp zwei Wochen online gegangen ist: Die Texte darauf sind komplett in kölscher Mundart verfasst. Übersetzer Wiskirchen Als „Übersetzer“ war Andre Janßen aber ein denkbar ungeeigneter Kandidat: Der 31-jährige Justizbeamte, der in der JVA Euskirchen arbeitet, stammt ursprünglich aus Neukirchen-Vluyn bei Moers. Das ist eine Region am Niederrhein, in der man definitiv anders spricht als in der Voreifel. Deswegen musste Hilfe her. Sie nahte in Gestalt von Paul-Heinz Wiskirchen. Der langjährige Geschäftsführer der Lommersumer Feuerwehr, der sich auch im Weilerswister Geschichts- und Heimatverein engagiert, erwies sich als äußerst bewandert im heimischen Dialekt. Er übertrug die hochdeutschen Texte der Feuerwehr-Homepage ins rheinische Idiom. Der „Übersetzer“ bleibt dabei bescheiden. „Die Hauptarbeit hat Andre Janßen geleistet“, meint der 66-jährige Rentner. Dennoch: Zwischen Tür und Angel kann man die Texte „op Platt“ nicht verfassen. Wiskirchen wollte die Redeweise, wie sie im Dorf und in der Region vorherrscht, möglichst genau treffen. Deswegen benutzte er verschiedene Nachschlagewerke, in Zweifelsfällen zog er Experten zurate. Das Ergebnis ist originell und witzig: Von der „Jureendvoijewea“ ist da die Rede, von „Blauleet und Löschhöansche“ und von de „Onwöddewarnung“. Der „Huwassestand“ von der „Äref“ wird ebenso mitgeteilt wie derjenige von der „Schwöß“. Auf Hochdeutsch: Es geht um die Pegelstände von Erft und Swist. Aktuelle Geschehnisse werden unter der Rubrik „Oremblöckliches“ aufgeführt, und die notorischen „Links“ klingen auf Platt viel schöner: Sie firmieren unter der Bezeichnung „Vewiss und Wääch tse andere Projramme.“ Andre Janßen und Paul-Heinz Wiskirchen betonen, dass hinter der Homepage „op Platt“ ein durchaus ernstes Anliegen steht. Ziel bleibt es, über die Löschgruppe und ihre Arbeit sachlich zu informieren. So gibt es auch „Rotschläch vüe dä Brantschutz“ - speziell für die „Jarasch“ für das „Jrille“ und für den „Kressdaach“. Besonders wichtig: „Üe dücht nie em Bett rooche“. Den Begriff „Homepage“ haben die Macher konsequent vermieden. Wiskirchen hat dafür den Ausdruck „Jehööchsick“ geprägt. Das Wort „Jehööch“, so erläutert der Fachmann, wird im ländlichen Raum oft für Heim und Hof verwendet. Und was ist das Fazit? Man kann sich wohl nur einer
Wortmeldung im „Jästebooch“ anschließen: „Ich moss üch sare,
ich bin von de Söck.“ |